Gastbeitrag: Brief an den Stadtrat

Folgenden Brief hat Arno Schaepe an die Mitglieder des Bauausschusses geschickt:


Starnberg, den 28.06.2016

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,

sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte des Bauauschusses,

am Donnerstag soll im Bauausschuß über einen

Antrag auf Einleitung eines Verfahrens zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nach § 12 i.V.m. § 13 a BauGB für das Grundstück Fl.Nrn. 942, 942/1, 942/2, 942/5, Gemarkung Starnberg, am Riedener Weg, 82319 Starnberg

beraten werden.

Ich möchte Sie bitten, bei der Beratung folgende Punkte zu berücksichtigen:

Das Grundstück ist Teil des stadtnahen Waldes im Starnberger Norden, der von vielen Bürgern in Starnberg zur Naherholung genutzt wird (Anhang 1 und 2). Es ist auch als solches sowohl im Bebauungsplan als auch und im Stadtentwicklungsplan ausgewiesen.

Die Pläne, so wie sie mir geschildert wurden, stellen in meinen Augen einen eklatanten Bruch zur umgebenden Bebauung dar:

a. Das fragliche Areal hat eine Fläche von etwa 140 x 70 Metern (grob gemessen auf Google Earth)
b. Im Norden des Grundstücks stehen auf einer Länge von ca. 140 Metern 2 Doppelhäuser und 4 Einfamilienhäuser (8 Wohneinheiten).
c. An der kleinen Stichstraße vor dem Sportplatz, stehen Einfamilien- und Doppelhäuser für Familien mit kleinen Gärten. Das Areal hat etwa die selbe Fläche und kommt auf ca. 15-20 Wohneinheiten.
d. Auf dem fraglichen Grundstück sollen angeblich 30 – 40 Wohneinheiten entstehen.
e. Das ist das 4 – 5-fache gegenüber der direkt angrenzenden nördlichen Bebauung und doppelt so viele Wohneinheiten pro Fläche wie die Bebauung südlich des Sportplatzes.

Die Webseite gartenrieden.de (Anhang 4) bestätigt für mich den Eindruck, dass hier eine hochverdichtete Bebauung geschaffen werden soll. Die Schaffung von lebenswertem und bezahlbaren Wohnraum in Starnberg würde ich mir anders vorstellen.Die beauftragten Architekten scheinen auf die Planung großer Wohnblöcke spezialisiert zu sein. (Anhang 5).

Der Riedener Weg ist in diesem Bereich eine der wenigen Straßen in Starnberg, die noch nicht zweispurig ausgebaut wurden und mit Fußgängerweg versehen werden müssen, damit niemand den Autos im Weg steht (Anhang 1). Hier darf noch jeder die Straße so nutzen, wie er möchte. Ich habe die große Befürchtung, dass es bei der geplanten Bebauungsdichte zu einer drastischen Veränderung des Verkehrsaufkommens kommen wird. Das für mich von Schlagworten geprägte Mobilitätskonzept des „Garten“ Riedenes, mit einem Autoskooter als Bild (Anhang 3), verstärkt bei mir diese Befürchtung.

Das Gesamtensemble aus Wald, Sportplatz und Tennisanlage ist ein wertvolles Angebot an viele Starnberger aller Schichten das intensiv und gerne genutzt wird. Eine Bebauung wird diesen Bereich Starnbergs in der heutigen Form nachhaltig zerstören. Die dann wahrscheinliche Verbreiterung der Straße in Verbindung mit der angrenzenden Hanglage wird möglicherweise umfassende Betonverbauungen, wie sie z.B. an der Söckinger Straße zu sehen sind, notwendig machen. Das bisherige einzigartige Flair des Riedener Weges an dieser Stelle wird zerstört werden.

Das Gelände der Beamtenfachhochschule wird auch umgewidmet und soll, wie ich gehört habe, von dem selben Investor „entwickelt“ werden. Wenn man die Gesamtfläche betrachtet, läuft das auf eine erhebliche Neugestaltung des Gebiets von Nord-Starnberg auf dieser Seite der S-Bahn hinaus. Ein Projekt dieser Größenordnung sollte in meinen Augen nicht nur durch Ausweisung von Bauland an einzelne Investoren gesteuert werden.
Ich bitte Sie, die genannten Punkte in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Ich hoffe, sie durch dieses Schreiben zum Nachdenken anzuregen, ob sie die Entscheidung, ein Gelände mit hohem Wert für viele Starnberger aller Schichten in Bauland mit enormer Wertsteigerung für einige wenige Investoren umzuwandeln, so kurzfristig und ohne ein den Bürgern bekanntes Gesamtkonzept fällen wollen.

Mit freundlichen Grüßen,

Arno Schäpe

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